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Schaut her, ich bin zurück, hier, heute ist der Tag meiner Heimkehr.

Dies ist mein Ankommen. Ein Kreis hat sich geschlossen, zurück bin ich, war genau hier mein Beginn? - Zurück und es ist Verlorensein. Die Erinnerungen sind vorhanden, die Wirklichkeit lässt mich im Stich. Ich fühle, und alles hier ist zur Fremde erstarrt, ich bin abgewiesen. Mein Erinnern hat mit dieser Gegenwart nichts mehr zu tun. An ein Zuhause habe ich mich erinnert, kurz war ich mal weg, vielleicht eine Generation lang oder ein bisschen mehr und all mein Zurückkommen ist zum Teufel, was habe ich denn überhaupt hier wieder gesucht? Ich weiss, ich bin immer ruhelos gewesen, mein Aufwachsen in Reichtum und Behütetsein, so bin ich entstanden, Erzieherinnen und Privatlehrer, nachts über die Mauer gestiegen und als verdorbener Sohn immer wieder abgehauen und wieder zurückgebracht worden, das ist mein Aufwachsen gewesen. Besitzen was immer ich wollte, mit Geld lassen sich tausend Freunde kaufen, Schnaps und Drogen und schnelle Autos, willige Fotzen und ewig echte Liebe.

Zurück bin ich aus tausend Ländern und Kontinenten, Welten. Raumschiffe und Segler waren meine Fahrzeuge, pustende Lokomotiven, ratternd Zahnradzüge, Airjets und Bombenflugzeuge. Helikopter haben mich abgesetzt auf Bergspitzen und mit Gleitschirmen bin ich verlorenen Tälern entlang geglitten. Projektile, Geschosse aus gläsernen Hüllen zu anderen Planeten, knirschend im Wüstensand, meine Schuhe habe ich hundert mal durchgetreten, neue aus Edelboutiken, Snobismus und gänzenden Ledern, mit Toten habe ich auf Schlachtfeldern die Stiefel getauscht, mich durch ausgebrannte Städte gerettet, in Siebenmeilenstiefeln über Berge gesaust, Tanzsprünge über Abgründe, Pirouetten aus Ehrgeiz und Showbusiness gedreht. Visionen haben mich hinweggerissen durch Sonnen hindurch und nie vorstellbare Träume, über Wellen weggeschlippert, Tickets habe ich an Automaten mit unbekannten Sprachen  eingetippt, Schwarzfahrer wurde ich auf Strassenbahnen, versteckt bin ich auf Kohlenwagen gefahren, im Höllenlärm der Maschinenräume der Tankerschiffe versteckt zwischen Generatoren.

Hier sind sie, die Strassen und Häuser aus Kindheit und Anfängen. Ankommen auf einem unbekannten Kontinent, nichts könnte mir  ferner sein. Ich erkenne eure Gesichter wieder und eure Sprache zurück, wenig hat sich verändert, alles hat sich verändert, die Geräusche der Strassen, die Gerüche, Fassaden sauber gestrichen, Hinterhöfe aufgefrischt, Verkehrsampeln, Strassenmarkierungen, Leitlinien, Fussgängerstreifen. Der Bäckerladen und Duft gebackenen Brotes, die Metzgerei mit aufgehängten Rinderlenden, sie sind zu Dienstleistungsflächen mutiert. Wo sind die schwatzenden Frauen? Der Kiosk mit Zeitschriften überzogen ist weg, fort, Zufahrt zur Tiefgarage geworden. Werbungen aus lächelnden Gesichtern. Autos Einheitsdesign aus überall, von Rotlicht zu Rotlicht, die Kneipe mutiert zur trendigen Karaokebar.

Fremd komme ich zurück. Ordentlichkeit herrscht hier, kein Platz für Dorftrottel und Besoffene, keine Zigarettenkippen in der Gosse. Euch alle habe ich gekannt, woher kommt meine Ahnung eurer Normiertheit? Wo sind eure Gesichter? Wozu zum Teufel bin ich hier auf Sentimentalitätensuche? Geblieben ist ein Fotoalbum. Zu weit bin ich geflogen, alles ist klein geworden. Einst kleinbürgerlich, jetzt Weltüblichkeit, jeder kennt Badeferien in den Südmeeren und die zu Unterhalungsreisen mutierten tausendjährigen Kulturen. Welche Stadt könnten wir noch besuchen und shoppen? Austauschbarkeit nach irgendwohin. Andeutungen Vergangenheiten und Erinnern und alles ist bemessen angemessen, hier tragen alle Dinge ihr Mass, die Welt ist massvoll und angepasst. Alle sind aufgeschlossen und orientiert, trendbewusst.



Hört zu. Ich rufe, ich rufe eurer Neugier